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Institutionelle investieren in Erneuerbare Energien in Europa

15.12.2011

Abwarten oder investieren? Was tun? Institutionelle Investoren geben Antworten.

Ein Blick auf das Verhalten institutioneller Anleger wie Versicherungen, Pensionskassen und Stiftungen sollte die privaten Investoren beruhigen. Denn die Großanleger, die alles andere als risikobereit sind und sich stets um solides Wirtschaften bemühen, bauen ihr Engagement bei erneuerbaren Energien fortwährend aus. Ihre Marktanalysen haben ergeben: In der Anlageklasse der Sachwerte, zu der Assets wie Immobilien oder Waldflächen gehören, sind erneuerbare Energien der Sektor der Zukunft.

Viele Institutionelle investieren bereits in die Branche und wer noch nicht dabei ist, plant einen Einstieg in Kürze. Als wohl prominentester Vorreiter hat sich die Allianz hervorgetan. Deutschlands größte Versicherung engagierte sich bereits in erneuerbaren Energien, als das Segment noch von vielen Anlegern als Exotenmarkt belächelt wurde. Seit 2005 beteiligt sie sich an Solarkraftwerken und Windparks. Anfang 2011 knackte der Konzern dann eine markante Marke: Eine Milliarde Euro hatte er zu diesem Zeitpunkt in den Sektor investiert.

Inzwischen haben erneuerbare Energien gar dem Klassiker der Sachwertanlage – der Immobilie – den Rang abgelaufen. Das zeigt eine im August veröffentlichte Studie des Marktforschers Frontiers Management Consulting, bei der 343 institutionelle Investoren zu ihren Anlagen in reale Werte befragt wurden. Sie offenbart, dass die Großanleger erneuerbare Energien inzwischen als genauso attraktiv einschätzen wie Immobilien. 35,6 Prozent der Befragten halten Investitionen in erneuerbare Energien in den kommenden ein bis zwei Jahren für attraktiv. Immobilien wurden von 35,3 Prozent befürwortet.

Die beiden Zahlen liegen zwar eng beieinander. Doch die Aussagekraft des Ergebnisses ist gewaltig und kommt einem Paradigmenwechsel gleich: Erneuerbare Energien haben in den vergangenen Jahren so stark an Attraktivität gewonnen, dass sie inzwischen zu Immobilien aufgeschlossen haben, sie sogar leicht überholen konnten. Eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte!

Anderen Sachwertinvestments attestieren die Befragten der Studie weniger gute Aussichten. Nur etwa jeder Fünfte gibt eine gute Prognose für den Sektor Infrastruktur. Engagements in Flugzeuge, Schiffe oder Schienenfahrzeuge sind von den institutionellen Investoren noch weniger gefragt: Nur rund fünf Prozent halten diese Anlageklassen in den kommenden ein bis zwei Jahren für attraktiv.

Die Zustimmung der Versicherungen, Pensionskassen und Stiftungen für erneuerbare Energien fällt aber nicht einheitlich aus, sondern unterscheidet sich je nach Energiequelle. Die Befragung zeigt, dass Photovoltaik die beliebteste Kategorie innerhalb des Anlagesegments ist. Knapp 40 Prozent sehen hier die besten Chancen auf Sicht von ein bis zwei Jahren. Ein Drittel der Befragten hält einen Einstieg in Windkraft mittelfristig für aussichtsreich. 29 Prozent geben Wasserkraft als Investitionsobjekt eine gute Prognose. Auf den weiteren Plätzen folgen Solarthermie, Geothermie und Biomasse.

Die Begeisterung der Großanleger für Photovoltaikanlagen liegt in erster Linie an der Risikoarmut der Anlageklasse. Zum einen lässt sich die Sonneneinstrahlung an einem Ort relativ gut prognostizieren, da Daten bereits seit vielen Jahren von Wetterstationen erhoben werden. Zum anderen geben viele Länder eine gesetzliche Garantie für den Preis, der für den erzeugten Solarstrom vergütet wird.

Ein weiterer Vorteil der Photovoltaik ist die relativ einfache Technik. Solarkraftwerke sind wenig störungsanfällig und haben einen relativ geringen Wartungsaufwand.

Trotz der relativ hohen Sicherheit sollten Anleger jedoch auch mögliche Risikofaktoren beachten. Diese existieren vor allem bei Photovoltaikanlagen, die sich noch im Bau befinden. Es kann sich als schwierig erweisen, alle notwendigen Genehmigungen rechtzeitig zu erhalten bzw. die Anlage rechtzeitig fertig zu stellen. Eine verspätete Fertigstellung wirkt sich besonders negativ aus, wenn ein Stichtag überschritten wird, an dem die Einspeisevergütung abgesenkt wird. Ein solches Malheur kann zur Folge haben, dass das Projekt dauerhaft weniger Rendite abwirft als geplant.

Institutionelle Investoren treffen Entscheidungen basierend auf Fakten und ohne Emotionen. So bietet Italien die derzeit besten Bedingungen für Solarinvestments: Eine hohe Sonneneinstrahlung sowie sichere und inflationsgeschützte Einnahmen dank garantierter Einspeisevergütung kombiniert mit dem aktuellen Marktpreis für Strom. Nach den Umfrageergebnissen gilt das Land unter den Auslandsmärkten – zusammen mit Spanien – als das attraktivste.

Das Interesse der institutionellen Anleger an erneuerbaren Energien hat weniger mit ökologischem Verantwortungsbewusstsein als vielmehr mit klingender Münze zu tun. So erwarten die in der Studie Befragten mehrheitlich eine leicht höhere Rendite im Vergleich zu anderen Sachwertanlagen.

Die 13 befragten Versicherungen rechnen beispielsweise für 2011 bei Sachwerten generell mit einem Zuwachs von 7,6 Prozent. Engagements in erneuerbare Energien werden ihrer Meinung nach sogar 8,3 Prozent abwerfen. Die 85 befragten Sparkassen sind in ihrer Einschätzung zwar etwas konservativer: Sie erwarten bei Sachwertanlagen allgemein eine Rendite von 5,3 Prozent, bei Investitionen in erneuerbare Energien 6,2 Prozent. Doch die Zahlen machen deutlich, dass die Anleger von dieser Branche Überdurchschnittliches erwarten dürfen.

Die Engagements und Ausblicke der Großinvestoren sprechen eine eindeutige Sprache: Investitionen in erneuerbare Energien gehört die Zukunft. Private Anleger sollten sich die Erkenntnisse und Analysen der Institutionellen zunutze machen und ebenfalls an dieser Erfolgsgeschichte teilnehmen.

Quelle Voigt & Collegen
 

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